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Wirkt sich ein Fensterersatz direkt auf den Energieverbrauch aus?

Wirkt sich ein Fensterersatz direkt auf den Energieverbrauch aus?

Ein Ersatz von älteren Fenstern durch Produkte der heutigen Generation wirkt sich positiv auf den Energieverbrauch eines Gebäudes aus. Die Grösse der Auswirkungen hängt dabei massgebend von den Eigenschaften der Fenster (Differenz alt zu neu) ab, wobei für das Ersatzprodukt zwischen vielen Varianten gewählt werden kann. Beim Ersatz der Fenster gilt es jedoch noch weitere Aspekte zu beachten, welche oftmals in Vergessenheit geraten.

Viele Gebäude älteren Jahrgangs sind gemäss den heutigen Normen nicht mehr ausreichend wärmegedämmt und verbrauchen deshalb unnötige Energie. Ein grosser Schwachpunkt in der Gebäudehülle sind in der Regel die Fenster, welche bis in die 1980er Jahre nur mit Doppelverglasungen (U-Wert bis ca. 3.0 W/m2K) und mit ungedämmten Rolladenkasten im Sturzbereich ausgestattet wurden. Ein Ersatz dieser Fenster durch neue Produkte mit guten Wärmedämmwerten (U-Wert ca. 1.0 W/m2K) und sehr guten Verglasungen wirkt sich direkt auf den Energieverbrauch aus und hat z.B. einen verminderten Ölverbrauch zur Folge. Dies kann bei einem Mehrfamilienhaus die Heizkosten durchaus um einige tausend Franken jährlich verringern. Die Investitionskosten für die neuen Fenster können dementsprechend über die nachfolgenden Jahre amortisiert werden.
Im Zusammenhang mit einem Fensterersatz sollte aber immer auch eine energetische Sanierung der Fassade geprüft werden. Oftmals ergeben erst diese beiden Massnahmen zusammen ein optimales Ergebnis.

Werden die Fenster ersetzt, so sind um eine möglichst nachhaltige Lösung zu finden, noch weitere Aspekte zu prüfen. Die Anschlussdetails sollten nämlich so gelöst werden, dass spätere Umbau- und Sanierungsmassnahmen wie beispielsweise eine Fassadensanierung oder ein Innenausbau nicht eingeschränkt werden. Dies verlangt eine ganzheitliche Betrachtung der Gebäudehülle mit Voraussicht auf die möglichen nächsten Massnahmen zur Sanierung des Gebäudes.
Ebenso ergibt sich die Möglichkeit, die Fassaden oder auch die Innenräume mit den neuen Fenstern anders und moderner zu gestalten. Dies ist einerseits mit der Materialisierung möglich aber auch mit konstruktiven Massnahmen wie den Verzicht auf Fenstersprossen oder einer neuen Einteilung der Fensterflügel.

Ein Fensterersatz kann aber auch Probleme mit sich ziehen. Durch die sehr guten Wärmedämmwerte der neuen Fenster im Zusammenspiel mit den sorgfältig gewählten und ausgeführten Anschlussdetails wird das Gebäude dichter und eine natürliche Luftzirkulation von innen nach aussen wird dadurch eingedämmt oder sogar ganz verhindert. Dies hat oftmals bei Fehlverhalten der Nutzer eine Kondenswasserbildung im Innern des Gebäudes zur Folge welche zu einem Schimmelpilzbefall oder anderen Schadensbilder führen kann. Das Lüftungsverhalten muss der neuen Situation angepasst werden, damit das Raumklima weiterhin angenehm bleibt und konstante Werte aufweist.

Auch wenn es sich bei einem Fensterersatz um einen verhältnismässig kleinen Eingriff handelt, ist der Beizug eines Planungs- oder Bauleitungsbüros auf jeden Fall zu empfehlen. Fachmännische Abklärungen hinsichtlich der Materialisierung, der optimalen Konstruktionen, der richtigen Anschlussdetails und der nötigen bauphysikalischen Aspekte unter Berücksichtigung des Gebäudes als ganzheitliche Einheit zahlen sich aus.
Zudem wirkt sich in den meisten Fällen auch ein Kostenvergleich der verschiedenen Fenstersysteme und der verschiedenen Fensterlieferanten sowie eine sinnvolle Koordination der Arbeiten positiv auf die Gesamtkosten aus.